Karte zum Leitfaden für Fragebögen bei Mitarbeiterbefragungen
Bild: Arbeitsleitbild

Führung

Teil von Mitarbeiterbefragung durchführen: Prozesssteuerung von der Zielsetzung bis zur Erfolgskontrolle

Fragebogen zur Mitarbeiterbefragung erstellen: Aufbau, Skalen und Anonymität

Fragebogen zur Mitarbeiterbefragung erstellen: Fragetypen, Skalen, vier Strukturmerkmale, Formulierungsregeln und ein Zeitrechner für 15 Minuten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bei der ersten Befragung überwiegend geschlossene Fragen nutzen, offene nur ergänzend.
  • Vier bis fünf Skalenpunkte und eine einheitliche Skalierung vorsehen.
  • Höchstens vier Strukturmerkmale erheben und nicht kombiniert auswerten.
  • Das Ausfüllen bleibt kurz; die Obergrenze leitet der Zeitrechner her.

Offene und geschlossene Fragen: die erste Entscheidung

Die Wahl des Fragetyps bestimmt den Auswertungsaufwand. Offene Fragen geben keine Antwortmöglichkeiten vor und liefern nähere Details. Genau diese Details sind aber deutlich schwieriger auszuwerten und zusammenzufassen. Geschlossene Fragen sind dagegen schnell beantwortet und relativ einfach auswertbar.

Deshalb empfiehlt es sich, bei der erstmaligen Durchführung überwiegend geschlossene Fragen zu verwenden. Offene Fragen lassen sich an einzelnen Stellen ergänzen, etwa für Verbesserungsvorschläge.

Skalen richtig aufsetzen

Für differenzierte Antworten ist eine mehrstufige Skala geeigneter als ein simples Ja oder Nein. Empfohlen werden vier bis fünf Punkte. Zu viele Punkte überfordern die Befragten und erschweren die Interpretation. Zu wenige Punkte lassen keine differenzierte Antwort zu.

Verbalisierte Skalen sind einfacher auszufüllen, weil die Zwischenstufen bereits benannt sind. Die Skala verläuft von links mit dem niedrigsten Wert zu rechts mit dem höchsten Wert. Antwortmöglichkeiten und Skalierung bleiben im gesamten Fragebogen einheitlich.

Skalenpunkte im Vergleich

Zu wenige Punkte

Differenzierung
keine
Ausfüllen
einfach
Interpretation
eingeschränkt

Vier bis fünf Punkte

Differenzierung
gut
Ausfüllen
einfach
Interpretation
möglich

Zu viele Punkte

Differenzierung
überfordert
Ausfüllen
schwierig
Interpretation
erschwert

Die Tendenz zur Mitte beschreibt das Muster, unabhängig von der Frage eine mittlere Position anzukreuzen. Eine gerade Stufenanzahl kann helfen, weil sich die Befragten dann eindeutig positionieren müssen. Zusätzlich gehört eine Ausweichkategorie wie weiß nicht oder keine Angabe in den Fragebogen. So lässt sich unterscheiden, ob eine Frage übersehen oder bewusst nicht beantwortet wurde.

Ohne diese Kategorie steigt die Gefahr wahlloser Antworten, die das Ergebnis verfälschen. Die Hinweise zur Fragebogengestaltung mit Skalen und Ausweichkategorie fassen diese Punkte zusammen.

Zwei Beispiel-Items mit der zugehörigen Skalenbeschriftung:

Beispiel-ItemSkalenbeschriftung (fünf Punkte)
Mein Job gefällt mir.trifft überhaupt nicht zu, trifft eher nicht zu, teils-teils, trifft eher zu, trifft voll zu
Meine Führungskraft gibt mir regelmäßig Rückmeldung.dieselbe fünfstufige Beschriftung

Fünf Formulierungsregeln mit Beispiel

Die KoFa-Handlungsempfehlung zur Mitarbeiterbefragung nennt fünf Regeln und belegt sie mit Vorher-Nachher-Beispielen. Erstens: die Sprache des Unternehmens treffen und keine gewollt steife Formulierung wählen. Zweitens: kurz und kompakt bleiben. Aus dem Satz, man komme nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss, dass der Job recht zufriedenstellend sei, wird schlicht: Mein Job gefällt mir.

Drittens: für alle verständlich formulieren, ohne Fremdwörter, unklare Abkürzungen oder akademische Ausdrücke.

Vorher-Nachher-Beispiele

Vorher

Steif
nach reiflicher Überlegung
Zwei Themen
freundlich und kompetent
Man-Bezug
man ist zufrieden

Nachher

Steif
Mein Job gefällt mir
Zwei Themen
zwei getrennte Fragen
Man-Bezug
ich bin zufrieden

Viertens: nur ein Thema pro Frage ansprechen. Der Satz, die Führungskraft sei freundlich und kompetent, lässt sich nicht sinnvoll beantworten, wenn jemand zwar freundlich, aber fachlich schwach ist. Besser sind zwei getrennte Fragen. Fünftens: den Ich-Bezug statt des Man-Bezugs verwenden, denn es geht um die eigenen Erfahrungen.

Strukturmerkmale begrenzen und die Endfassung prüfen

Strukturdaten wie Geschlecht, Alter, Abteilung oder Dauer der Betriebszugehörigkeit ermöglichen differenzierte Auswertungen. Gleichzeitig erhöhen sie das Risiko, dass sich Antworten auf einzelne Personen zurückführen lassen. Deshalb sollten nicht mehr als vier Strukturmerkmale abgefragt und diese nicht kombiniert ausgewertet werden.

Das Online-Verfahren des Bayerischen Landesamts für Statistik sichert die Anonymität zusätzlich über Schwellenwerte ab. Es weist Ergebnisse einer Gruppe erst ab 12 verwertbaren Fragebögen aus, bei 6 bis 11 nur Mittelwerte und darunter gar keine. Die Mindestgruppengröße legt die auswertende Stelle selbst fest; die Werte des Landesamts sind ein Beispiel.

Die folgende Prüfkarte bündelt die Kontrolle je Frage. Sie ist ein eigenes Arbeitswerkzeug, keine Vorgabe einer Aufsichtsbehörde.

Feld der PrüfkartePrüffrage je Item
VerständlichkeitWürde eine neue Kollegin die Frage ohne Erklärung verstehen?
Ein ThemaPrüft die Frage nur einen Sachverhalt?
Ich-BezugSpricht die Frage die eigene Erfahrung an statt ein unbestimmtes Man?
Re-IdentifikationLässt die Frage mit den Strukturmerkmalen Rückschlüsse auf eine Person zu?

Der Zeitrechner prüft die Länge gegen das eigene Budget. Als typische Annahme gilt: Eine Person bearbeitet je nach Fragestellung ein bis zwei Fragen pro Minute. Daraus folgt die Formel: Bearbeitungszeit in Minuten = Anzahl der Fragen geteilt durch Fragen pro Minute.

Fragen im Entwurf

Fragen im Entwurf1 Frage pro Minute2 Fragen pro Minute
1515 Minutenrund 8 Minuten
2424 Minuten12 Minuten
3030 Minuten15 Minuten

Für ein Budget von rund 15 Minuten liegt die Obergrenze daher bei etwa 30 Fragen. Für die Endfassung zählen zusätzlich ein ansprechendes Layout, eindeutige Formulierungen ohne Suggestivfragen und eine Dauer, die zum Zeitbudget passt.

Zum Schluss gehört eine Einladung zur Teilnahme in den Versand. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhält den Fragebogen direkt. Für den Erhebungszeitraum sind zwei bis drei Wochen üblich; maßgeblich sind Betriebsgröße und Schichtmodell.

Auswertung und Anonymität

Geschlossene Fragen werden je Skala ausgewertet, als Mittelwert und als Verteilung. Einzelne Ausreißer sagen wenig aus; aussagekräftig sind Muster über mehrere Fragen hinweg. Offene Antworten werden gesichtet und zu Themenclustern gebündelt, am besten von zwei Personen getrennt.

Die Anonymität sichern zwei Regeln ab: Ergebnisse kleiner Gruppen werden nicht getrennt ausgewertet, und die Einladung zur Teilnahme enthält eine Datenschutzerklärung, die die Anonymität ausdrücklich zusichert.

Häufige Fragen

Wie viele Fragen darf der Fragebogen enthalten?
Die Zahl folgt aus dem Zeitbudget; der Zeitrechner weiter oben nennt die Obergrenze.
Wie viele Strukturmerkmale sind zulässig?
Es sollten nicht mehr als vier sein, etwa Betriebszugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Organisationseinheit oder Hierarchieebene. Kombiniert ausgewertet werden sollten sie nicht.
Brauchen wir eine Ausweichkategorie?
In der Regel ja. Die Begründung und die übliche Beschriftung stehen im Abschnitt zu den Skalen.

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