
Führung
Konflikte im Team lösen: Wie Führungskräfte Konflikte im Betrieb klären
Konflikte im Team lösen: Acht-Schritte-Ablauf der INQA, Selbstprüfung der Neutralität und Kriterien, wann eine unparteiische Person moderiert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die INQA beschreibt einen Ablauf in acht Schritten, der mit dem Suchen der Konfliktursachen beginnt und mit einer überprüfbaren Vereinbarung endet.
- Vor jeder Moderation steht die Selbstprüfung: Wer selbst am Konflikt beteiligt oder emotional zu stark involviert ist, soll die Moderation abgeben.
- Konflikte im Team sind laut BGN nicht direkt beobachtbar; wer sie erfassen will, braucht das Gespräch mit den Beschäftigten.
- Der Ablauf fördert eine Win-win-Lösung, eine Garantie für das Ergebnis ist er nicht.
Warum sich frühes Ansprechen lohnt
Konflikte gehören zum beruflichen Alltag, und ein konstruktiver Umgang damit lässt sich lernen. Im besten Fall entwickeln die Beteiligten gemeinsam eine Lösung, die beide Seiten akzeptieren können. Das beschreibt die Initiative Neue Qualität für die Ablauf einer Konfliktlösung im Betrieb.
Rechtzeitig erkannt und angegangen, bergen Konflikte nach dieser Darstellung auch Chancen. Sie zeigen, wo im Unternehmen etwas nicht rund läuft, und erzeugen oft den Druck, der Veränderungen überhaupt erst in Gang bringt. Wer die Beteiligten früh unterstützt, kann eine Eskalation vermeiden und den Streitenden den Perspektivwechsel erleichtern.
Daraus folgt für die Führungspraxis kein Schwellenwert, ab dem ein Konflikt als dringend gilt. Die Quelle nennt keine messbare Grenze, ab der eine Ansprache zwingend wird. Wer die Anzeichen wahrnimmt, sollte sie zum Anlass für ein Gespräch nehmen, statt auf einen belegten Auslösewert zu warten.
Der Ablauf in acht Schritten
Die folgende Tabelle bildet die acht Schritte der INQA ab, ergänzt um die Leitfrage, die sich die Führungskraft in dem jeweiligen Schritt selbst stellt. Die dritte Spalte ist keine Vorgabe des Modells, sondern eine praktische Entscheidungshilfe: Sie ordnet jedem Schritt zu, ob die Führungskraft selbst moderieren kann oder ob eine unparteiische Person übernehmen sollte.
| Schritt | Leitfrage der Führungskraft | Selbst moderieren oder abgeben |
|---|---|---|
| 1. Wurzeln finden | Was sind Auslöser, Interessen und Emotionen? | Selbst, solange keine eigene Betroffenheit besteht |
| 2. Eigene Beteiligung prüfen | Bin ich selbst Teil des Konflikts oder emotional zu stark involviert? | Bei Ja abgeben |
| 3. Keine Lösung vorgeben | Stelle ich meine eigenen Lösungsideen zurück? | Selbst, wenn die Frage klar bejaht wird |
| 4. Gefühle berücksichtigen | Trenne ich persönliche und sachliche Ebene? | Selbst, mit Visualisierung der Konfliktpunkte |
| 5. Vorwürfe umformulieren | Welches Interesse steckt hinter dem Vorwurf? | Selbst |
| 6. Neutralität wahren | Bevorzuge ich eine der Parteien? | Bei Zweifeln abgeben |
| 7. Lösungen gemeinsam erarbeiten | Können beide Seiten die Lösung akzeptieren? | Selbst |
| 8. Vereinbarung und Folgetermin | Wie überprüfen wir die Umsetzung? | Selbst, mit allen Beteiligten |
Am Anfang steht die Suche nach den Wurzeln des Konflikts. Zu klären sind die Auslöser, die einander gegenüberstehenden Interessen und die damit verbundenen Gefühle. Die Konfliktsituation wird offen angesprochen, alle Beteiligten kommen an einen Tisch. Dafür ist ausreichend Zeit an einem störungsfreien, neutralen Ort einzuplanen; das eigene Büro oder der Arbeitsplatz von Kollegen ist weniger geeignet.
Die Selbstprüfung vor der Moderation
Bevor eine Führungskraft moderiert, steht eine Frage, die sich nur sie selbst beantworten kann: Ist sie möglicherweise selbst Teil des Konflikts oder emotional zu stark involviert? Wenn ja, sollte sie die Konfliktmoderation einer neutralen Person überlassen. Diesen Prüfschritt nennt die INQA ausdrücklich.
Wer selbst moderiert, tritt in eine andere Rolle. Eigene Lösungsideen und eigene Gefühle gehören in den Hintergrund, die Aufgabe ist es, das Gespräch zu strukturieren. Die Konfliktparteien sollen die Lösung selbst erarbeiten. Wer stattdessen die eigene Sichtweise durchsetzt, moderiert nicht mehr, sondern entscheidet.
Entscheidend für ein erfolgreiches Konfliktgespräch ist die neutrale Position der moderierenden Person. Keine der Konfliktparteien darf bevorzugt werden, und die Einschätzung beider Gesprächsparteien ist immer einzuholen. Wer das nicht leisten kann, zieht eine unparteiische Person zur Mediation hinzu. Der Begriff Mediation taucht auch im Arbeitsgerichtsgesetz auf: Das Inhaltsverzeichnis führt dort § 54a mit dem Titel Mediation, außergerichtliche Konfliktbeilegung. Über den Inhalt dieser Norm sagt der Titel allein nichts aus.
Ein Zwischenweg lohnt sich in der Praxis: Die Führungskraft bleibt für die Ansprache und die Organisation des Gesprächs zuständig, gibt aber die Leitung der Verhandlung ab. So geht die Zuständigkeit für das Thema nicht verloren, während die Neutralität der Verhandlungsleitung gesichert bleibt.
Vorwürfe, Lösungen und Vereinbarungen
Bei Konflikten sind immer auch Gefühle im Spiel. Diese sollten zugelassen werden. Zugleich versucht die moderierende Person, zwischen der persönlichen und der sachlichen Ebene zu trennen. Eine Visualisierung der Konfliktpunkte auf Flipcharts kann dabei helfen, weil sie den Streitstoff aus dem persönlichen Schlagabtausch herauszieht.
Ein zweiter Übersetzungsschritt betrifft die Sprache. Vorwürfe werden in Interessen umformuliert, denn wenn Anschuldigungen die Oberhand gewinnen, geraten die eigentlichen Interessen schnell aus dem Blick. Die Führungskraft hilft den Beteiligten zu erkennen, welches Interesse hinter einem Vorwurf steht.
Sind Situation und Absichten ausgetauscht, erarbeiten die Beteiligten gemeinsam Lösungsideen und bewerten sie. Die Lösung sollte für beide Seiten zufriedenstellend sein. Ein gut gelöster Konflikt endet mit einer Einigung und nicht mit der Niederlage der Gegenseite; nur eine Win-win-Situation kann einen Konflikt langfristig beenden.
Am Ende steht die Vereinbarung, die zeigt, wie die Konfliktparteien wieder zusammenarbeiten. Die Umsetzung wird später überprüft, deshalb wird direkt im Anschluss ein Folgetermin zur Reflexion mit allen Beteiligten vereinbart. Ob sich der Konflikt damit dauerhaft löst, hängt vom Einzelfall ab; eine Erfolgsquote nennt die Quelle nicht.
Wann eine unparteiische Person hinzugezogen wird
Die Abgabe ist kein Scheitern, sondern eine Rollenentscheidung. Drei Konstellationen sprechen dafür, die Moderation aus der Hand zu geben: Die Führungskraft ist selbst Konfliktpartei, sie ist emotional zu stark involviert, oder sie kann die Neutralität gegenüber beiden Seiten nicht sicherstellen.
Hinzu kommt eine organisatorische Überlegung. Wer als Vorgesetzte oder Vorgesetzter über Aufgaben, Beurteilungen und Vergütung entscheidet, ist in den Augen der Beteiligten nie ganz unbeteiligt. Die neutrale Position der moderierenden Person ist laut INQA entscheidend für ein erfolgreiches Konfliktgespräch. Wer diese Neutralität nur behaupten kann, sollte eine unparteiische Person zur Mediation hinzuziehen.
Vor der Übergabe ist zu klären, was die externe Person leisten soll. Eine reine Gesprächsleitung ist etwas anderes als eine Moderation, die bis zur Vereinbarung und deren Überprüfung führt. Umfang und Honorar regelt der Betrieb selbst; die hier ausgewerteten Quellen nennen keine Preise oder Honorarsätze für externe Konfliktmoderation.
Ein betrieblicher Rahmen kann helfen, ohne dass daraus eine Pflicht wird. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist laut Bundesgesundheitsministerium eine freiwillige Investition der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers. Zu den verhältnispräventiven Maßnahmen zählt das Ministerium ausdrücklich die Verbesserung des Betriebsklimas durch Maßnahmen gegen Mobbing, Mitarbeiterführung, Leitbild, transparente Kommunikation und Führungskompetenz.
Was die Früherkennung leisten kann und wo sie endet
Wer Konflikte früh ansprechen will, braucht einen Weg, sie überhaupt wahrzunehmen. Die BGN-Beurteilungshilfen setzen dafür auf Beobachtung und Befragung der Beschäftigten. Als Nachteil der Methode nennt die BGN unter anderem, dass manche Belastungsfaktoren nicht direkt beobachtbar sind, etwa Konflikte im Team.
Das hat eine praktische Konsequenz: Aus dem Augenschein allein lässt sich ein Teamkonflikt nicht zuverlässig erfassen. Wer sich nur auf Beobachtung verlässt, sieht angespannte Mienen, aber nicht die Ursache. Das Gespräch mit den Beschäftigten ist deshalb der Weg, über den Konflikte überhaupt sichtbar werden. Aus Sicht der BGN-Methode ist das ein Nachteil, aus Sicht der Konfliktklärung schlicht die Grenze des Verfahrens.
Daraus folgt keine Pflicht zu einem bestimmten Erfassungsverfahren. Die Quellen belegen keine unabhängige Wirksamkeitsprüfung des Acht-Schritte-Modells und keine Erfolgsquote von Konfliktmoderationen. Der Ablauf ist damit kein Rezept mit garantiertem Ergebnis, sondern eine Struktur, die das Gespräch ordnet und die Wahrscheinlichkeit einer fairen, nachvollziehbaren Lösung erhöht.
Eine Beispielrechnung zeigt, was das für den Zeitaufwand bedeuten kann: Geht man von einem moderierten Gespräch mit zwei Konfliktparteien und einer Gesprächsleitung aus, fallen drei Personen für die Dauer des Gesprächs an. Bei zwei Stunden und einem angenommenen internen Stundensatz von 45 Euro ergibt das 270 Euro an gebundener Arbeitszeit. Das ist eine illustrative Rechnung mit frei gewählten Annahmen; sie belegt keine tatsächlichen Konfliktkosten.
Häufige Fragen
Wie viele Schritte hat das INQA-Modell?
Die INQA beschreibt das Lösen von Konflikten im Team in acht Schritten. Der erste Schritt sucht die Wurzeln des Konflikts, der letzte Schritt führt zur Vereinbarung und zu einem Folgetermin zur Reflexion.
Wann sollte die Führungskraft die Moderation abgeben?
Wenn sie selbst Teil des Konflikts oder emotional zu stark involviert ist, soll sie die Konfliktmoderation einer neutralen Person überlassen. Dasselbe gilt, wenn sie die Neutralität gegenüber beiden Konfliktparteien nicht wahren kann, denn diese Neutralität ist für ein erfolgreiches Gespräch entscheidend.
Dürfen Führungskräfte eine eigene Lösung vorgeben?
Nein, wenn sie als Moderator auftreten. Eigene Lösungsideen und eigene Gefühle gehören in den Hintergrund; die Aufgabe ist es, das Gespräch zu strukturieren und die Konfliktparteien die Lösung selbst erarbeiten zu lassen.
In diesem Leitfaden
- Psychische Belastung am Arbeitsplatz erfassen: Beobachtung und BefragungMobbing erkennen, psychische Belastung erfassen: Wie Beobachtung und Mitarbeiterbefragung zusammenspielen und wo die Grenzen der Methode liegen.
- Wann muss eine neutrale Person im Betrieb moderieren?Wann eine Führungskraft die Moderation abgeben sollte, wie sie ihre Neutralität prüft und welche Rolle der Mediator nach § 2 MediationsG hat.
- Konfliktkosten abschätzen: belegte Kostenfelder, 600-Euro-Steuerfreiheit und fiktive BeispielrechnungKonfliktkosten abschätzen: belegte Kostenfelder der betrieblichen Gesundheitsförderung, 600 Euro steuerfrei nach § 3 Nr. 34 EStG und fiktive Beispielrechnung.



